Die schon eingerüstete Ruine der Loschwitzer Kirche

Die schon eingerüstete Ruine der Loschwitzer Kirche

1. Elbhangfest 1991

Im Mittelpunkt des ersten Elbhangfestes standen die Initiativen zur Rettung zweier bedeutender, kulturhistorisch wertvoller Kirchen am Dresdner Elbhang: die Kirche in Loschwitz (erbaut vom Baumeister der Dresdner Frauenkirche George Bähr), die Weinbergkirche in Pillnitz (erbaut vom Zwingerbaumeister Matthaeus Daniel Pöppelmann). Folgerichtig hieß das Festmotto:

»Von Bähr zu Pöppelmann«

Am 29. Juni fand die Grundsteinlegung zum Wiederaufbau der Loschwitzer Kirche statt. Tags darauf wurde die restaurierte goldene Turmkugel der Weinbergkirche in Pillnitz wieder aufgesetzt.
Beide Anlässe bildeten den Rahmen für ein Volksfest, welches in seiner Verknüpfung von Straßen-, Dorf -, Kunst- und Kulturfest in dieser Dimension für Dresden vollkommen neu war.

Höhepunkt sollte der Festumzug am Sonnabendvormittag sein – von Loschwitz nach Pillnitz, versteht sich. Der sächsische Hofstaat vornan, August und die Cosel, Hofnarr Fröhlich und die Gustel von Blasewitz. In der Maske des Matthaeus Daniel Pöppelmann ein Herr Berger aus dem Erzgebirge, jener, der heute leitend Pöppelmanns Bau betreut und zu neuer barocker Pracht bringen will. Wenn das nicht Tradition ist, aus dem Volke. Aus dem Volke kam die Initiative zum Fest. Die Bürgerinitiativen von Loschwitz, Wachwitz, Pillnitz, die IG Weinberg­kirche waren im Bunde mit anderen die treibenden Kräfte, um ein ursprüngliches Stück Sachsen lebendig werden zu lassen. Dabei – auch das hatten sie verfügt – stört kein Autolärm.

Aus einem Gespräch der Zeitschrift »Die UNION« mit Reinhard Decker vom 12. April 1991
»… Wer konnte unter dem Borsberg spazieren gehen, ohne beim Anblick dieses verfallenden Kirchleins traurig bewegt zu sein? Die Initiative zum Wiederaufbau entstand aus der Bewegung im Herbst 1989. Am Vorabend der Kommunalwahlen, 5. Mai 1990, haben wir dann das erste Benefizkonzert veranstaltet, und die Reaktion war so, daß mit viel Spontanität ein friedliches und freundliches Fest entstand. Das war enorm ermutigend. Und damals wurde klar, diesen Impuls des produktiven Feierns wollten wir nicht versanden lassen. Also gab es noch ein Sommerfest und ein Weinfest im Herbst im Schatten der Weinbergkirche. Diese Feste haben Menschen zusammengeführt, die ein gemeinsames Interesse am Kulturbestand dieser Stadtlandschaft hatten. Das war uns wichtig. Der Gedanke, den Rahmen des Festes auf die gesamte Kulisse des Elbhanges mit Niederpoyritz, Wachwitz und Loschwitz auszudehnen, war ja ganz naheliegend. …

Wir wollen kein elitäres Fest mit vorherrschendem Kunstkonsum veranstalten. Wir wollen die Leute aus ihren vier Wänden auf die Straßen, Dorfplätze, Wiesen, Märkte und zu den Schauplätzen holen, wo sie sich als Besucher und Veranstalter in erster Linie selbst einbringen. Nun kommt noch etwas dazu: Der Elbhang war traditionell Heimstatt von Künsten und Künstlern, und eine Tradition des Festefeierns gab es hier auch. Aber viele sind aus bekannten Gründen hier weggegangen, und vieles von dieser ehemaligen Atmosphäre ist ausgedünnt oder ausgetrocknet. Wir wollen versuchen, diese gemeinsame Erlebnisfähigkeit wiederzubeleben und diese Verbindung von Kunst- und Festfreudigkeit zurückzuholen. Wir bauen dabei auf das Engagement von vielen, die sich mit ihren eigenen Möglichkeiten einbringen. Ob Festumzug, Straßenmusik, Marktbude, Puppenspiel, Kinderfest, Stadtführer, Kutschfahrt, Straßenmalerei, Weinausschank, Blumenverkauf, um mal einige Hausnummern zu nennen. Das bringt Leben auf die Straße und beinhaltet die Aufforderung, als Akteur dabeizusein. Natürlich wollen wir dabei auch den Blick der Bewohner und Besucher dafür öffnen, was hier an Schönheiten vorhanden ist. Wenn Sie so wollen, ein Zeichen setzen für die geistige Stadterneuerung.«

Das Plakat zum 1. Elbhangfest 1991

Das Plakat zum 1. Elbhangfest 1991

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