26. Elbhangfest am 1. Schulferienwochenende

»Come together« – von Shakespeare bis Beatles

Anlässlich des 400. Todestages von William Shakespeare heißt das Thema Großbritannien

Frei nach Shakespeare: Elbhang wird zur Bühne

Der Elbhangfestverein hat einen »Sommernachts­traum« für 2016 und will die Elbe für drei Tage in Themse umbenennen. Nach »700 Jahren Loschwitz« 2015 folgt ein kultureller Blick über den Hang hinaus, der sich erstmals nach Großbritannien richtet. 2016 jährt sich der Todestag von Shakes­peare zum 400. Mal. Früher wurden dessen Stücke auch hier am Hang übersetzt, nun wird das Elbhangfest mit zahlreichen Veranstaltungen an ihn erinnern.

Der Schriftsteller und Übersetzer Wolf Heinrich Graf von Baudissin (1789 – 1878), der ab 1840 im Sommerhaus in Wachwitz (heute: Am Steinberg 3) wohnte, »war mit Lud­wig Tieck und dessen Tochter Do­ro­thea befreundet, mit der er 13 Dramen Shakes­peares für die Schlegel-Tiecksche Ausgabe übersetzte. Der sächsische König Johann schätzte den bescheidenen Baudissin als Vertrau­ten bei seinen altitalienischen Sprachstudien.« (siehe »Künstler am Dresdner Elbhang I«)

Auch der Übersetzer, Gärtner, Maler und Shakespeare-Forscher Georg Blume (1910 – 2006) lebte in Wachwitz. Er beschäftigte sich mit dem Rätsel um Shakespeares Identität. Georg Blumes Grab befindet sich auf dem Hosterwitzer Friedhof.

Im Theaterstück »Was Ihr wollt« formulierte Shakespeare »Die ganze Welt ist eine Bühne« – beim Elbhangfest wird seit 25 Jahren diese Landschaft an einem kulturvollen Wochenende zur Bühne. Doch was verband den Elbhang außerdem mit Großbritannien?

Schlösser und Gärten auch »very british«

William Shakespeare

William Shakespeare

William Shakespeare (1564 – 1616)

Die berühmte englische Gartenkunst hinterließ hier einige Zeugnisse. Die Elbschlösser verdanken wir dem Schotten Lord Findlater (1750 – 1811), einem Adligen, der mit seinem Lebensgefährten Johann Christian Georg Fischer einst das Gelände besaß, auf dem heute die drei »Elb­schlösser« stehen. Findlater und Fischer sind gemeinsam an der Loschwitzer Kirche begraben. Englische Gärten gibt es in den Parks der Elbschlösser, ebenfalls in Pillnitz und Helfenberg. Der Friedrichsgrund gehörte einst dazu und auch der Park in Wachwitz ist teilweise ein Englischer Garten.

Britische Gärtner pflegten auch die Kamelienzucht. Die Pillnitzer Kamelie unweit des englischen Pavillons könnte ein Pendant in den berühmten englischen »Kew Gardens« haben.

Carl Maria von Weber

Carl Maria von Weber

Carl Maria von Weber (1786 – 1826)

Englische Pferdebahnen fuhren in Loschwitz

Viele technische Neuerungen ka­men von den britischen Inseln nach Sachsen. Die erste Eisenbahn wurde gezogen von einer englischen Lokomotive mit englischem Lokführer. Die Firma John Penn aus Greenwich rüstete 18 Schiffe der hie­si­gen Dampfschifffahrts­ge­sell­schaft mit ihren Dampfmaschinen aus, die »Diesbar« hat heute noch eine solche.

Die Stadt Dresden hatte vor dem Ersten Weltkrieg zwischen Bürgerwiese und Wiener Straße ein englisches Viertel, das zu den vornehmsten Villenvierteln der Stadt zählte. 1910 lebten 2.000 Engländer und Amerikaner in Dresden, das für wohlhabende Engländer ein beliebter Ort war, Kunst zu studieren – bis die beiden Weltkriege alle guten Beziehungen zerstörten.

Die britische Tramways Company betrieb ab 1880 in Dresden Straßenbahnlinien mit gelben Wagen. Sie beförderte 1895 hier stolze 24,7 Millionen Fahrgäste. Eine Straßenausstellung in Zusammenarbeit mit dem Ortsverein Loschwitz-Wachwitz soll beim Elbhangfest diese geschichtlichen Verbindungen zu Großbritannien vorstellen.

Wolf Heinrich Graf von Baudissin

Wolf Heinrich Graf von Baudissin

Wolf Heinrich Graf von Baudissin, Schriftsteller und Übersetzer (1789 – 1878) wohnte ab 1840 in Wachwitz (heute: Am Steinberg 3).

Hosterwitzer Zeichen der Versöhnung

Auch 60 Jahre nach dem Zwei­ten Weltkrieg sind die Beziehungen zwischen Groß­britan­nien und Deutschland nicht spannungsfrei. Doch das von Deutschland schwer zerstörte Coventry ist heute Partnerstadt Dresdens. Die Kirch­gemeinde Hosterwitz setzt als Nagelkreuzgemeinde ein Zeichen der Versöhnung.

Das Nagelkreuz ist ein christliches Symbol aus der Kathedrale von Coventry. Es soll die Idee der Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg in die Welt hinaus tragen. Hosterwitz gehört seit 2006 zu den
Mitgliedern der Nagelkreuzgemeinschaft.

Erstmalig seit 1991 soll Hosterwitz deshalb zu einem Elbhangfestzentrum werden – mit viel Musik in der Kirche »Maria am Wasser«. Es gibt Ideen zu einem Picknick-Konzert und einer ganz besonders britischen Sehenswürdigkeit: Gerade wird die symbolische Verlegung der Fel­sen von »Stonehenge« auf die Hosterwitzer Elbwiesen geprüft. Als Land-Art-Projekt könnte dieser berühmte Steinkreis künstlerisch neu interpretiert werden. und spätabends beleuchtet zum Anziehungspunkt für Gäste und Fotografen werden.

Beliebte Hosterwitzer Spielorte wie das Plantagengut und der Pfarrgarten werden bespielt, möglichst viele Gärten sollen sich gastfreundlich beteiligen. Eine weitere Verbindung von Hosterwitz nach London lässt sich am Ende des Lebensweges Carl Maria von Webers finden, der gern den Hosterwitzer Keppgrund durchwanderte.

Im Gebäude des heute nach ihm benannten Museums sind Teile der »Aufforderung zum Tanz« und der Oper »Oberon oder der Schwur des Elfenkönigs« entstanden. Diese elfte Oper Webers enthält Motive aus Shakespeares Stücken »Sommernachtstraum« und »Sturm«. 1826 reiste Weber, obwohl er durch eine Tuberkuloseerkrankung sehr geschwächt war, zur Uraufführung seines Oberon nach London. Vorher gab er dort zahlreiche Konzerte.

Für seine neue Oper feierte ihn das englische Publikum. Er hatte dafür zu Hause die englische Sprache erlernt. Die Uraufführung fand am 12. April 1826 unter seiner Leitung im Londoner Royal Opera House Covent Garden statt. Weber dirigierte trotz stärkster Beschwerden mehrere weitere Aufführungen und gab Konzerte. In der Nacht zum 5. Juni 1826 starb er entkräftet in seinem Londoner Quartier. Am 21. Juni 1826 wurde er in der Kirche St. Mary Moorfields in London unter großer Anteilnahme beigesetzt. Erst 18 Jahre später wurde Webers Sarg nach Dresden überführt.

An die vielfältigen Beziehungen Webers zu England wird beim Elbhangfest u. a. durch die Aufführung von Ernst von Wildenbruchs Dramulet »Hosterwitz« in Hosterwitz erinnert werden.

Come together – Kommt zusammen!

Die Gegenwart mit Kriegen, Terror und Flüchtlingswellen bedrückt uns alle. Kann das 26. Elbhangfest noch »the same procedure als every year« sein? Auch die Risse in der Dresdner Stadtgesellschaft bewegen die Organisatoren. Sie müssen den Mut finden, dem standzuhalten und nicht aufzugeben. Die Weltsprache Englisch wird bei diesem Festthema auch als Sprache der internationalen Verständigung gesehen und ein Zeichen für ein fröhliches Fest mit Freunden und Gästen senden.

Das Motto heißt deshalb – nur 2016 – in englischer Sprache »Come together!« (John Lennon). Damit betont das Bürgerfest sein partei­übergreifendes Bekenntnis zum friedlichen, kulturvollen Miteinander in der Demokratie – »Kommt zusammen!«, überwindet Sprachbarrieren und Mauern in den Köpfen!

Georg Blume

Georg Blume

Georg Blume, Übersetzer und Publizist (1910 – 2006) veröffentlichte 1993 das Buch: »Der Königliche Weinberg zu Dresden-Wachwitz«.

Der Elbhang feiert britisch:

Am Sonnabend wird Tom Pauls als »Queen« das Fest eröffnen. Der anschließende Festumzug will möglichst viele Facetten Großbritanniens zeigen. Mit dabei sein sollen u. a. Die »Queen« mit Prinz Philipp, Mr. Bean, Lord Findlater, Figuren aus Shakes­peares Werken, aber auch Sherlock Holmes, Dr. Watson und Agatha Christie.

Begleitet von Drums & Pipes, Beatles- und Musical-Klängen wird auch auf die bereits genannten historischen Bezüge eingegangen. An der »111« wird der Umzug diesmal elbwärts über die Van-Gogh-Straße durch Hosterwitz ziehen. Die britische Flagge, der »Union Jack«, auf dem Elbhangfestplakat auf das Dach der Hosterwitzer ­Kirche projiziert, wird vielfach das Gelände schmücken, ebenso englische und schottische Fahnen.

Markante Gebäude, Dörfer und Sehenswürdigkeiten sollen neue Namen oder witzige Orts­eingangsschilder bekommen. Schilder der Londoner U-Bahn »Underground« verweisen auf besonders »unterirdische« Orte. Die »Big-Ben-Melodie« erklingt. Helfer mit Bobbyhelmen sorgen für Ordnung, an den Haupteingängen wachen statuenhaft Leibgardisten im Schilderhaus. Fünf englisch-rote Tele­fonzellen in den Festzentren laden zum »Selfie« mit britischen Originalen oder Maschinen ein. Der rote Doppeldecker-Bus, auch bekannt als »fahrender Ritter« aus den Harry-Potter-Filmen, soll zwischen Niederpoyritz und Pillnitz fahren.

Auf das »Loschwitzer Wohnzimmer« könnte ein »Loschwitz-Pub« folgen: Der Dorfplatz zwischen »Tower Bridge« und »Big Ben« würde zum Pub mit einem der längsten Bartresen Dresdens. Bar und Barhocker, alte Stühle und Tische, Guinness und Whisky würden so die Idee von 2015, einen Dorfkern mit besonderem Flair zu schaffen, fortsetzen.

Aus Großbritannien stammende Musikstile wie Beat, Punk, Art-Rock und Brit-Pop sollen im Bühnenprogramm aufgegriffen werden. Die Jugend könnte ein »Elb-Punk-Fest« feiern. Zur abschließenden Session wird als »Last night of the Elbhangfest« aufgerufen.

Highland-Games

Highland-Games

Die Highland Games kommen zum Anschauen und Mitmachen ins Camp auf die Wachwitzer Elbwiesen.

Die Highland-Games kommen

Mit Baumstamm-Werfen, Tauziehen, Sackschlagen und einem »Schottischen Zelt« kommen die Highland-Games als Schau- und Mitmachwettkämpfe 2016 in das Elbwiesen-Camp nach Wachwitz. Dazu werden ein »Schottisches Zelt« und ein Whisky- Probier-Stand gehören.

Für zünftige Dart-Battles wird der 1. Dresdner Dart-Club sorgen. Zum Veranstalten weiterer britischer Sportarten und Spiele wie »Cross-Golfen«, Hockey, Tennis, und Bridge sind besonders alle privaten Mitwirkenden herzlich aufgerufen.

Dem auch in Großbritannien allgegenwärtigen Fußball wird man anlässlich der Europameisterschaft 2016, die während des Festes stattfindet, an vielen Orten per Monitor zuschauen können.

Besondere sportliche Höhepunkte in Hosterwitz sollen ein Windhundrennen an der Maillebahn und, in Anlehnung an den traditionellen Ruderwettkampf »The Boat Race« Oxford gegen Cambridge, als Dresdner Variante der Wettstreit »Elbhang gegen Überelbsche« sein.

Gentleman-like – Stil- und Geschmackvolles

Anwohnern und Gästen wird ein freiwilliger Dress-Code ans Herz gelegt: Die Dame mit Hut, Perlenkette und Handtasche im Etuikleid, die Herren mit Frack und Zylinder, Cut oder Tropenhelm zum Leinenanzung. Bei Hitze dürfen seriöse Shorts zum Hemd getragen werden.

Einer sensationelle »Gentle-Man-Modenschau« ist angedacht – attraktive männliche Teilnehmer werden gesucht!

Zu den gastronomischen Angeboten sollten diesmal Sandwiches, Scones (süße Brötchen), Clutch Cream (eine Art Schlagsahne), Fish and Chips, Ale, Guiness, Gin-Tonic, English Breakfast (dicke Bohnen mit Speck), die typische Orangenmarmelade und Verkostungen von schottischem Whisky gehören. Private Gartenpartys und 5-Uhr-Tee an Teepavillons neben englischen Rosen würden bestens dazu passen.

Für Kinder und Familien

In den Familienoasen könnten Ritterspiele mit König Artus und Steckenpferd-Basteln und -Rennen angeboten werden. Zu Großbritannien gehören auch »Herr der Ringe«- und »Harry Potter«-Feeling, vielleicht mit dem neuen Besen »Nimbus 2016« für ein improvisiertes »Quidditch-Turnier«. Eine Sherlock-Holmes-Rallye wird kleine Detektive begeistern.

Das Fest in den Dörfern

Mit einem (alkoholfreien) »Teenie-Beach« in Wachwitz unternimmt man den Versuch, einen neuen Jugendtreff zu etablieren. Im Garten der Wollner-Villa könnte zum Picknick eingeladen werden. Shakespares »Romeo und Julia« sollen als Programm von »Spielbrett« nach Wachwitz kommen.

Die Trödelmeile in Niederpoyritz wird fortgesetzt. Der Platz am Oberen Gasthof in Niederpoyritz soll endlich wieder einmal belebt werden. Die wundervolle Atmosphäre von »Sachses Garten« wird wieder an der Laubegaster Straße viele Liebhaber finden.

In Pillnitzer Park wird ein besonderes Augenmerk auf dem Englischen Garten liegen. Rund um den Englischen Pavillon könnte ein »Englisches Parkfest« entstehen, das das Kamelienhaus und die Orangerie einbezieht. Der dort gelegene einzige Teich des gesamtes Elbhangfestgebietes muss wohl zu »Loch Ness« werden. – Und wo bleibt das Ungeheuer? Wird ungeheuer gesucht! Die im Vorjahr von Jung und Alt super angenommenen Holzspiele werden mit englischen Spielvarianten erneut zu Gast sein.

Ilse Queen

Ilse Queen

Die »Queen« eröffnet das Elbhangfest 2016.

Die Ruine Pillnitz soll wieder ein Spielort werden.

Im gesamten Schlosspark Pillnitz wird eine Ausstellung über den Gärtner Gustav Hermann Krumbiegel (1865–1956), der von Sachsen über Enland nach Indien kam, zu erleben sein: »Britisch-Indien« hieß das von 1858 bis 1947 als Kronkolonie unter britischer Kolonial­herrschaft stehende Land damals, das den gesamten indischen Subkontinent und Teile Hinterindiens umfasste.

»…Von einem Sachsen, der auszog, dem Maharadscha zu dienen…« So märchenhaft lässt sich die Geschichte dieses Pillnitzer Gärtners in Kürze wiedergeben. In Schloss & Park Pillnitz öffnen sich damit die Tore in die Welt indischer Gartenkunst und Kultur.

In der Orangerie werden die »Dresden Hepcats« zum Tanztee Swing-Musik spielen. Ein Dialog deutsch-britischer Kunst wird mit einer Gruppe von Künstlern aus Dresden und Coventry in der Orangerie im Park Pillnitz stattfinden.

Die Arbeiten an der Programmgestaltung laufen bereits auf Hochtouren – für ein 26. Elbhangfest mit vielen nachhaltigen Eindrücken. Noch bis Ende März können sich Privatinitiativen melden, die mit in das Programmheft aufgenommen werden möchten, bitte über info@elbhangfest.de Kontakt aufnehmen.

Come together im Juni 2016!

Holger Friebel

Plakatmotiv 2016

Plakatmotiv 2016

Plakatmotiv zum Elbhangfest 2016

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