23. Elbhangfest vom 28. – 30. Juni 2013

»Mein lieber Schwan!« – Wagner leicht

Zum 200. Geburtstag Richard Wagners
Das Motto »Mein lieber Schwan« steht dafür, wie das Elbhangfest sich Wagner nähert: Fröhlich und locker, nicht unkritisch.

Der Elbhangfestverein nimmt vor allem den jungen Wagner in den Blick und den ganzen Wagner mit Humor: Unser Festhöhepunkt wird unter dem Arbeitstitel »Wagner auf Sächsisch« von René Pape und Tom Pauls gestaltet. Thematisiert werden Wagner-Orte am Elbhang bis Graupa, die Bezüge seiner Dresdner Opern in diese Landschaft. Ein Opern-Programm mit einheimischen Welt-Stars bildet den Abschluss eines musikalisch breit angelegtes »Bürger- und Kunstfestes« auf den Spuren des Komponisten – nicht nur für Wagnerianer, sondern für Alle. Die Tradition Dresdner Sängerfeste klingt an. Der Schwan als Symbol verbindet uns mit den Wagnerstätten Graupa. Er hat auch den Kindern auf der ersten Elbhang-Wagnerwiese viel zu erzählen…

Das Motto verspricht »Wagner leicht«

Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig geboren und starb am 13. Februar 1883 in Venedig. Der Spätromantiker, der immer das Gesamtkunstwerk anstrebte, schöpfte vor allem am Beginn seiner Laufbahn aus der Dresdner Kulturlandschaft. Wagners Persönlichkeit hatte viele bunte, aber auch hässliche Seiten. Alles um ihn war Inszenierung mit viel Personen-Kult. Uns interessiert Wagners Kindheit am Elbhang: Der neunjährige Wagner kam 1822 auf die Kreuzschule in Dresden, die er bis 1827 besuchte. Mit Mutter und Halbschwester wohnte er 1823 als Sommergast in Loschwitz, an der Grundstraße, Ecke Rißweg. Was hat Wagner als Kind geprägt, welche Eindrücke haben Eingang in sein Werk gefunden?

Über Kinderstreiche des kleinen »Richel« Wagner mit seiner Stiefschwester Cäcilie im Loschwitzgrund berichtete der Loschwitzer Ortschronist Otto Kotzsch, aus Erzählungen Cäcilies gegenüber dem Kantor Pohle schöpfend. Ostern 1827 wurde Wagner in der Dresdner Kreuzkirche konfirmiert. Als Kind hat er den Komponisten Carl Maria von Weber persönlich erlebt: Er wurde ihm als 9-Jähriger vorgestellt und soll ihm auch bei privaten Festen begegnet sein. Ein Wagner zugeschriebenes Zitat aus seiner Dresdner Zeit lautet »Kein König, kein General sein – aber dirigieren wie Weber«.
Das Elbhangfest-Motto »Mein lieber Schwan« ist ein Zitat aus der Oper Lohengrin um den mittelalterlichen Schwanritter gleichen Namens.

Im 1. Akt eilt der sagenumwobene Titelheld, von einem Schwan in einem Nachen gezogen, der brabantischen Herzogin Elsa zu Hilfe:
»Nun sei bedankt, mein lieber Schwan! / Zieh durch die weite Flut zurück, / dahin, woher mich trug dein Kahn, / kehr wieder nur zu uns’rem Glück! / Drum sei getreu dein Dienst getan! / Leb’ wohl, leb’ wohl, mein lieber Schwan!«. Daraus entstand das (im wahrsten Sinne) geflügelte Wort »Mein lieber Schwan« , das heute als ironischer Kommentar, als Ausdruck von Überraschung, aber auch Empörung oder Bekräftigung verwendet wird.

Der Sänger René Pape als Schirmherr und Tom Pauls als Wagner! – Hochkarätig besetzte Konzerte

Der in Hosterwitz ansässige Opernstar René Pape wird erstmalig im Festprogramm mitwirken. Extra für das Elbhangfest entsteht ein neues Programm mit dem Sänger, dem Meining-Quartett der Staatskapelle und Tom Pauls als Wagner: Wagner auf sächsisch.

Das Eröffnungskonzert wird unter dem Titel »Leyer und Schwerdt – Von Körner zu Wagner« mit dem Vocal Concert Dresden unter der Leitung von Peter Kopp traditionell in der Loschwitzer Kirche stattfinden. Es erklingen patriotische, freiheitliche und romantische Gesänge für Männerchor. Dazu sollen Briefe und sonstige ernste bis kuriose Texte gelesen werden. Am Sonnabend-Abend präsentiert Annette Jahns in der Loschwitzer Kirche Wagners Wesendonck-Lieder, begleitet am Klavier. Sie wird ergänzend aus dem Briefwechsel Richard Wagner – Mathilde Wesendonck lesen.

Der »fliegende Holländer« als originelles Transportmittel

Einmalig und neu beim Elbhangfest: Ein roter Doppelstock-Bus mit großem Schriftzug »Fliegender Holländer« als Shuttle-Bus vom Gustavheim bis zu den Wagner-Stätten Graupa. Dieser sollte als weithin sichtbares »fahrendes Event« mit Wagner-Musik und Catering gestaltet werden. Auch die Sonderdampferfahrten, diesmal begleitet von Wagnerklängen, sollen wieder stattfinden.

Theater und mehr in den Wagner-Stätten Graupa

Die Wagnerstätten Graupa werden als Veranstaltungs- und Ausstellungsort einbezogen. Sonnabendnachmittag und Sonntagvormittag gibt es für die mit dem Shuttlebus ankommenden Gäste Führungen durch die neue Dauerausstellung und Musik. Die Elbhangfest-Theatergruppe um Johannes Gärtner wird dort spielen. In Kooperation mit dem Richard-Wagner-Chor Graupa entsteht dafür ein Sommerstück: Richard Wagner sucht die Stille des Sommers in Graupa. Inkognito reist er mit Kutsche an. Doch die Stille währt nicht lang. Denn neben Besuchern, Musiker- und Künstlerkollegen seiner Zeit treten nach und nach auch Figuren seiner Opern auf. Angedacht ist die Premiere des Stückes am Freitag abend und eine Fortführung als Sommertheater über das Elbhangfest hinaus.

Festumzug als Festspielzug

Der Arbeitstitel des Umzuges lautet 2013 »Der Traum eines Kindes – Da schaukelt sich was zusammen«. Der Festumzug soll nicht aus einzelnen Wagenbildern bestehen, sondern als Festspielzug inszeniert werden. Aus Tafelwagen werden fahrenden Bühnen. Schauspieler, Schülergruppen und interessierte Anwohner stellen Erlebnisse Wagners aus dessen Dresdner Jahren dar. Die Künstler wollen auch unbekannte Geschichten humorvoll in Szene setzen: Wagners Albträume und Wahnvorstellungen als Kind münden in Gespensterstunde und Ideenreichtum. – Sein erster Bühnenauftritt als Engel bei Carl-Maria-von-Webers »Der Weinberg an der Elbe». – Der Kürbisstreich mit Schwester Cäcilie. – Seine ersten Dichterfahrungen an der Kreuzschule. – Seine Liebe zu dem Riesenhund »Robber«. – Sein erstes Drama »Leubald und Adelaide«, das Wagner 1827 als 14jähriger schrieb (42 Tote!). – An ca. sechs Haltestationen entlang der Strecke soll gespielt werden.

Gespenstertreff am Geisterschiff

Diese nächtliche Mitmach-Aktion wird inspiriert vom »Der Fliegende Holländer«. Geisterschiffe tauchen auf der Elbe am Blauen Wunder auf – beim 23. Elbhangfest schon ab 23 Uhr.

„Hoch auf dem gelben Wagen“ – gemeinsamer Gesang am Sonntag

Dresden hat eine bedeutende Sängertradition, zu der die beiden großen Sängerbundfeste 1865 und 1925 gehören. Damals reiste man per Eisenbahn an, es folgte ein riesiger Umzug durch die Stadt. Gegenüber vom Waldschlößchen stand eine Sängerhalle für 5000 Sänger. Das Elbhangfest will diese Tradition mit einer so einfachen wie guten Idee, entwickelt von Vera Steinfelder-Kleint, aufgreifen: Ein gemeinsam gesungenes Lied soll alle verbinden! Am Sonntag, Punkt 16 Uhr – gesungen von allen, überall im Festgelände. Viele Chöre werden, verteilt auf die Dörfer und Bühnen, den stimmgewaltigen Sängerkern bilden.
Unter Leitung von Christian Decker haben die Mitglieder des Elbhangfestvereins viele Lied-Kandidaten probegesungen und eines ausgewählt: »Hoch auf dem gelben Wagen«.
Machen Sie alle mit! Wenn die Aktion gelingt, könnte sie zu einem festen Programmpunkt werden.

Abschlusskonzert

In einer Rahmeninszenierung von Annette Jahns treten Opernstars vom Elbhang in einem szenischen Konzert auf: Camilla Nylund, Anton Saris und Peter Lobert. Begleitet von einem kleinen Orchester werden Auszüge aus u. a. »Lohengrin« und »Der fliegende Holländer« auf der Bühne am Bergpalais Pillnitz erklingen.

Wagner leicht für Kinder & Eltern – Elbhang-Wagner-Wiese – Open-Air-Familienfest

Die Schauspieler Regina Felber und Johannes Richter gestalten eine Wagner-Wiese am Hang: Kulissen und Bühnen direkt in der Natur, durchklungen von Instrumenten, die in gemähten Inseln konzertieren. Die Wagnerwiese wird den ganzen Tag über zum Schlendern und Verweilen einladen, mit unterschiedlichen Künstlern und Überraschungen. Der Ort steht allerdings noch nicht fest. Höhepunkt wird eine Bearbeitung von Wagners Lohengrin sein: Das Orchester des evangelischen Kreuzgymnasiums, Schauspieler und der Dresdner »chorus 116« spielen und singen das Stück als romantisches Spiel im Grünen. Ziel ist – ganz im Sinne von Wagners Idee für Bayreuth – ein großes Volksfestspiel für Erwachsene und Kinder, Opernlaien und -kenner, Wagnerianer und -kritiker.

Geocaching – spannende Schatzsuche von Heute

Das Stichwort Nibelungenschatz (Das Elbgold) – inspirierte die Festorganisatoren, eine Schatzsuche in moderner Form, das »Geocaching«, ins Programm aufzunehmen.

Ritterspiel und Papierschwäne für Kinder

In den bliebten Tummelplätzen für die Jüngsten wird es Ritterspiele mit Bogenschießen für Kinder und Eltern und Basteln rund um Papierschwäne, Ritter und Romantik geben.

Das Fest in den Dörfern

    Loschwitz

  • Den Auftakt im Weindorf Loschwitz geben am Freitagabend u. a. »The Lazy Boys«. Am Sonnabend heißt das Programm »Micha Winkler & Friends«, u. a. mit der Jindrich Staidel Combo, dem Jugendjazzorchester Dresden, der Band PLACEBO FLAMINGO, der Micha Winkler Band und weiteren Solisten aus der Jazz-, Swing- und Soulszene Dresdens und Berlins. Am Sonntag erleben die Gäste in Loschwitz Ulrike Hausmann und einen hochkarätigen Freundeskreis der Boogie und Blues-Szene aus Berlin mit u. a. Amy Zapf, Katharina von Treptow, Kat Baloun, Nina T. Davis und Micha Maass. Ausklingen wird der Sonntag mit dem Open-Air-Abschiedskonzert unserer Kultgruppe »Das Blaue Einhorn«.
  • Im Jugenddorf Krachwitz gibt es Silent Disco am Freitag und Sonnabend.
  • Entlang der Pillnitzer Landstraße entsteht in Zusammenarbeit mit den Wagnerstätten eine kleine Straßenausstellung »Wagner in der Karikatur« mit einer Auswahl zeigenössischer Karikaturen – grafisch excellent, witzig, bissig, köstlich!

    Wachwitz wieder mit stimmungsvoller Dekoration

  • Bereits am Freitag wird auf der Festbühne Wachwitz Peter Flache mit einem höchst amüsantem Programm das Elbhangfest-Wochenende anstimmen, musikalisch ergänzt von der Band Blue Alley. Sonnabendnacht wird getanzt! Ab 21 Uhr sorgen die Suffy Sand Combo und King Kreole aus Leipzig für die richtige Stimmung. Sonnabend freuen wir uns zudem auf ein besonderes Highlight: Die bekannte und hochdotierte Sängerin und Songwriterin Barbara Cuesta aus Berlin wird mit ihrer Sangeskunst und ihrer Ausstrahlung die Gäste verzaubern. Gegenüber eröffnet das »Café Zum Schwan«.
  • Die Kirmes auf den Elbwiesen lädt wie im Vorjahr ein mit Theaterzelt, Puppentheater und Schaustellern – in Zusammenarbeit mit der Elbterrasse. Für Kinder wird das Malen und Basteln von Schwänen angeboten.

Niederpoyritz
Das beliebte Programm des Elbhangtreffs und die Privatinitiative »Potters Garden« in 2. Auflage werden den Ort Niederpoyritz prägen.

Hosterwitz
Die Show des Cellisten Peter Illavsky auf den Spuren Wagners: »Kinder macht Neues« (ein Wagner-Zitat) könnte im Pfarrgarten Maria am Wasser stattfinden: Viele seiner Texte werden darin erörtert und mittels bedeutender Melodien illustriert. Für Kinder von 0 bis 99 vermittelt das Programm Entstehung, Inhalte bis hin zu Kompositionstechniken. Eine facettenreiche Reise auf den Spuren des Meisters.

    Pillnitz

  • Wieder ein Gospelkonzert, diesmal zum Mitsingen, bieten »Gospel4« am Freitagabend in der Weinbergkirche.
  • Auf die Weindorfbühne kommt am Sonnabend das a cappella Quintett VOXENSTOPP aus München, die mit Wortwitz, Stimmengewalt und eigenen Kompositionen begeistern. Sonntag spielt die Band UKW um Ulrich Kodjo Wendt (Hamburg). Er ist bekannt als Komponist vieler Filmmusiken (u.a. für Fatih Akin) und Musik, die in die Beine geht. An der Löwenkopfbastei wird es u.a. »Verswingtes« mit dem Jazztrio Christian Mögel geben.
    Die Jugendbühne in der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) bietet u. a. mit »Stilbruch« eine liebgewordene Wiederholung und mit »Kaminski ON AIR« Wagner-Opern auf gewitzte Weise und »massentauglich« als dreidimensionales Hörspiel.
  • Ausstellung in der Orangerie Pillnitz – Fantasie und Theater:
    Angedacht ist eine Präsentation von Bühnen-, Kostüm- und Maskenbildnern der Hochschule für Bildende Künste und/oder der Semperoper zu Opernthemen, z. B. zu Kostümen von Wagner-Inszenierungen und zur Geschichte des Theaters in Dresden (100 Jahre Schauspielhaus Dresden).
  • In der Orangerie finden ebenfalls Konzerte und am Sonntagnachmittag ein Tanztee statt.

Alles in allem also ein Wagner gewidmetes Elbhangfest, dass auch für Nicht-Wagnerianer vieles zu bieten hat. Denn auch Wagner war dem Feiern durchaus zugeneigt. Überliefert ist seine große Liebe zu guten (Bordeaux-)Rotweinen. Sicher hätte er auch zu einem Bisquit-Schwan als süßer Leckerei nicht Nein gesagt – Viel Raum für kulinarische Bereicherungen des Elbhangfestes.

Holger Friebel

Plakat 23. Elbhangfest

Plakat 23. Elbhangfest

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